Zum 600. offiziellen Waffenlauf

(von Ulrich Jäggi)

Die Vorläufer dieser echt schweizerischen Sportart (allerdings existierte bereits bei den alten Griechen die Disziplin Waffenlauf an den Wettkämpfen von Olympia) gehen in die Zeit des ersten Weltkriegs zurück: 1916 und 1917 wurde in Zürich, respektive Biel ein Armee-Gepäckmarsch durchgeführt. In den 30-er Jahren nahm man diese Idee wieder auf, und so fanden 1930 mit Genf-Lausanne, 1931 in Solothurn und 1932 in Delémont weitere Armee-Gepäckmärsche statt  Zwischen 1931 und 1935 erfuhr der Gepäckmarsch Yverdon-Lausanne gar eine fünfmalige Durchführung. Die Distanzen dieser Prüfungen betrugen zwischen 25 km (Biel) und 64 km (Genf-Lausanne).

Die eigentliche Geburtsstunde des Waffenlaufs erfolgte dann fast auf den Tag genau 80 Jahre vor dem kommenden Jubiläum vom 24.Mai in Lenzburg: Am Sonntag 27. Mai 1934 konnte nämlich zum ersten Mal zum berühmten „Frauenfelder“ (offiziell immer noch „Frauenfelder Militärwettmarsch“) gestartet werden. Anfänglich über 43 km, führt die Strecke seit 1940 über die Marathondistanz von 42,195 km. Gegen Ende des 2.Weltkriegs, in den Jahren 1943 und 1944 wurden in Frauenfeld mit 1751 und 1662 Teilnehmern nie mehr erreichte Rekordwerte erzielt, gelangten auch der Aargauische Waffenlauf in Reinach (1944) und der Altdorfer Waffenlauf (1945) erstmals zur Durchführung. 1949 kam der „Berner“ dazu und im selben Jahr erhielt auch die Westschweiz mit dem Gedenklauf von Le Locle nach Neuenburg ihren ersten Waffenlauf. Es folgten der „Hans Roth-Waffenlauf“ in Wiedlisbach (1954) und der „Krienser“ (1956). 1958 war die Reihe dann an Zürich und ein Jahr später ersetzte der „Thuner“ den in der Folge nicht mehr durchgeführten Berner Waffenlauf. 1960 schliesslich kam noch der „St.Galler“ dazu, und bei diesen neun Läufen (vier im Frühjahr, fünf im Herbst) blieb es bis 1981. An vier Wettkämpfen wurden in den ersten Jahren noch zusätzliche technische Disziplinen eingebaut: in Reinach HG-Werfen und Schiessen, in Bern, in Wiedlisbach und in Zürich Schiessen. Erst 1971 ver-zichteten die Zürcher als letzte auf die bei vielen Teilnehmern nicht besonders beliebte Zusatzprüfung.

Ab dem Jahre 1967 (und bis 2006) wurde von der IGMS, später IGWS (Interessengemeinschaft für Waffenlaufsport) erstmals eine Schweizer Waffenlauf Meisterschaft organisiert. Mit neun Tagessiegen an allen neun Waffenläufen wurde der Aargauer Werner Fischer überlegener erster Schweizer Waffen- laufmeister. Dreissig Jahre später wiederholte Martin Schöpfer dieses Kunststück mit elf Siegen in den nunmehr elf Meisterschaftsrennen. Am erfolgreichsten waren indes Albrecht Moser mit acht Meistertiteln (1978 – 1985) und 56 Tagessiegen, Fritz Häni (Meister 1986 und 1987) mit 123 Kategoriensie-gen, sowie bei den Damen Marianne Balmer, mit 9 Meistertiteln, 64 Tages- und 76 Kategoriensiegen.

Seit 1997 gibt es auch eine Meisterschaftswertung für die Damen, welche zwar seit den 80-er Jahren vereinzelt mitmachten, aber in der Rangliste mit den Männern klassiert wurden

In den Zeiten mit hohen Teilnahmezahlen, noch in den frühen 80-er Jahren starteten an mehreren Läu-fen zwischen 1000 und 1200 Teilnehmer, fanden zwei weitere Waffenläufe Aufnahme in die Meisterschaft, nämlich Toggenburg (1982) und Freiburg (1984); letzterer als zweiter Waffenlauf in der Romandie. Nur gerade drei Jahre lang (1999 – 2001) gab es mit dem „Churer“ erstmals auch einen Waf-fenlauf im Bündnerland. Zu diesem Zeitpunkt war aber der Teilnahmeschwund bereits unaufhaltsam. Dies trotz diverser Gegenmassnahmen, wie Freigabe des Schuhwerks, besseres Wettkampftenue, Reduktion des Gewichts der Packung und Verkürzung der Distanzen. Ab dem Jahre 2002 streckte dann auch ein OK nach dem andern die Waffen: 2001 letzter „Churer“, 2002 letzter „Freiburger“, 2003 letzter „Toggenburger“ und letzter „Krienser“, 2004 letzter „Altdorfer“, 2005 letzter „Neuenburger“ und 2006 letzter St.Galler“, letzter „Reinacher“ und letzter „Zürcher“. In der Folge löste sich (Ende 2006) auch die IGWS auf und der Waffenlauf stand buchstäblich „vor dem Aus“. Nur gerade Frauenfeld, Wiedlisbach, Thun und der erst 2005 erstmals als Meisterschaftslauf zählende Sprint-Waffenlauf von Wohlen blieben übrig. So wurde 2007 denn auch, erstmals seit 40 Jahren, keine Waffenlaufmeisterschaft mehr durchgeführt.

Trotz dieser wenig Erfolg versprechenden Perspektive kam es, noch im erwähnten Jahr 2007, gleich zu zwei Premieren im Aargau. Sowohl in Lenzburg, als auch im Fricktal (Kaisten) wurde erstmals zu einem Waffenlauf gestartet. Seit dem Jahre 2008 wird, organisiert durch den 2007 gegründeten Waffenlauf Verein Schweiz, wieder eine Meisterschaft organisiert. Zwar führten sowohl Wiedlisbach als auch Thun ihren Lauf 2008 zum letzten Mal durch, aber im selben Jahr wurde mit Scharans wieder ein Lauf im Bündnerland durchgeführt. In den letzten drei Jahren sind drei weitere Waffenläufe dazu gekommen, nämlich Muri (2011), Niederbipp (2012) und Burgdorf (2013). Damit gibt es wieder acht Waffenläufe, vier in der ersten Saisonhälfte (anfangs Mai bis anfangs Juli) und vier in der zweiten Saisonhälfte (September bis November). Mit gleich vier Läufen (Lenzburg, Wohlen, Kaisten und Muri) ist der Aargau zur eigentlichen Waffenlauf-Hochburg geworden.

 

Liste der von 1934 bis Ende 2013 ausgetragenen 598 offiziellen Waffenläufe

Frauenfeld seit 1934 (1939 nicht durchgeführt) 79
Reinach 1944 bis 2006 63
Altdorf 1945 bis 2004 60
Neuenburg 1949 bis 2005 57
Bern 1949 bis 1959 11
Wiedlisbach 1954 bis 2008 55
Kriens 1956 bis 2003 48
Zürich 1958 bis 2006 49
Thun 1959 bis 2008 50
St.Gallen 1960 bis 2006 47
Toggenburg 1982 bis 2003 22
Freiburg 1984 bis 2002 19
Chur 1999 bis 2001 3
Wohlen seit 2005 9
Lenzburg seit 2007 7
Kaisten seit 2007 7
Scharans seit 2008 6
Muri seit 2011 3
Niederbipp seit 2012 2
Burgdorf seit 2013 1
Total 598
2014:

Scharans (4.Mai) = 599       Lenzburg (24.Mai)

 = 600
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